Psychiatrie

3.6. newsflash

Nur mal rasch zwei Zahlen:

70 Jahre; 2,9 Promille

So viel zu den Eckdaten einer Patientin, die bei uns eingeliefert wurde.
Ich bezweifle, dass ich mit so einem Wert noch bei Bewusstsein wäre..

5.6.08 17:05, kommentieren

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2.6. Willkommen zurück

Jetzt hatte ich einige Wochen Arbeits-Pause, und kaum bin ich wieder da, steppt der Bär..

Die ganze Klinik ist vollkommen überfüllt, so kam es, dass in der letzten Nacht ein  junger Mann auf unserer Station eingeliefert  wurde, voll mit allem an Drogen, was er finden konnte.

Nun bin ich gerade am Waschen, als ich von draußen fürchterliches Geschrei höre.

Unser junger Herr hat ein wenig am Rad gedreht. Er stand am Fenster und kündigte an, herunter zu springen.

Jetzt ist gerade fast das gesamte Klinikpersonal auf unserer Station, um den Guten festzuhalten. Wir, die wir gerade am Waschen sind, müssen erst mal unsere Patienten in Sicherheit bringen, weil er schreit, tobt und um sich schlägt. Er wird fixiert, und ratet mal, wer wieder einmal die Sitzwache übernehmen darf..

Sogar in der Fixierung tobt er weiter, befreit schließlich einen Arm, und ich muss Hilfe holen.

Schließlich stehen 8 Menschen um sein Bett rum - ob mich das beruhigen würde?  Fast muss ich dann aber doch lachen, weil niemand von uns daran denkt, seinen Kopf fest zu halten, und unser Professor uns darauf hinweist, nachdem er einen unangenehmen Bauchboxer abbekommen hat.

Oh Mann - ich sag Euch, das war ein super Einstieg - aber auch solche Tage gibt es eben bei uns.

 

 

 

 

3.6.08 18:06, kommentieren

29.4. Bewährungsprobe

Der Morgen begann heute gleich mit mehreren Herzinfarkten. Heute war der Tag meiner Probeprüfung. Dazu muss ich zunächst mal sagen, dass ich die tollsten Kollegen der Welt habe. Vielen Dank - ohne Euch hätte ich das nie so hinbekommen. Besonderen Dank an meine Anleiter - ihr seid super

Dank natürlich auch an das kleine L., das gestern noch so ausgiebig von mir zugelabert wurde

Statt an der Übergabe teilzunehmen, brüte ich also über den Akten, während meine Kollegen helfen, alles vorzubereiten - sie putzen wie die Weltmeister den Pflegewagen, entfernen noch schmutziges Geschirr und Wäsche aus dem Patientenzimmer. Ich gerate unter totalen Zeitdruck. Ich gehe ins Zimmer meiner Patientin - die war aber der Meinung, schon mal ohne mich im Nachthemd in den Tagesraum rollern zu müssen. Natürlich will sie sich dann nicht von mir waschen oder duschen lassen.. Sie hatte wohl eine sehr unruhige Nacht und hat kaum geschlafen. War klar, dass sowas passieren musste. Aber auch hier retten mich meine Kollegen und beruhigen sie. Mein Lehrer erscheint - ausnahmsweise pünktiich - und wird nach unserem Vorgespräch gleich erst mal von meiner Chefin in Beschlag genommen, die ihm die Klinik zeigen will... Meine Anleiterin trommelt, mein Herz rutscht in die Hose - aber die beiden tratschen fröhlich weiter.

Irgendwann gehen wir sogar los. Die Tatsache, dass das ganze eine Prüfungssituation ist, wirkt sich offenbar positiv auf meine Patientin aus - sie ist zuckersüß und macht toll mit. Trotz kleinerer Patzer, die zu vertuschen meine Anleiterin super mithilft, läuft die Prüfung erstaunlich gut.

Für die anschließende Behandlungspflege bin ich dann aber einfach zu fertig und bekomme gar nichts mehr mit.

Na ich, ich denke, es gibt noch genügend zu üben, aber seit heute habe ich wirklich das Gefühl, dass ich bestehen kann.

Noch eine neue Erfahrung nebenbei: Hey, meine Chefin kann sogar loben.. hab mich echt gefreut..

Meine Lieblingspatientin hat mir heute sogar glatt ein bisschen gefehlt - ist das so eine Art Stockholm-Syndrom?


Nun ja - ich bin mal wieder müde.. gehabt Euch wohl bis zum nächsten Mal..

29.4.08 22:13, kommentieren

26.4. Geduld

Heißt es nicht immer, man würde mit dem Alter die Dinge gelassener sehen? hm, dann bin ich wohl definitiv noch nicht alt genug.. Wo ich doch gerade in der Schule so viel Schönes darüber gehört habe, man soll als Pflegekraft an der Erhöhung seiner Frustrationstoleranz arbeiten. Meine Frustrations-Toleranzgrenze ist momentan irgendwo unter dem Gefrierpunkt

Es fällt mir gerade enorm schwer, den Eiertanz zu ertragen, den meine Lieblingspatientin jeden Morgen veranstaltet. Gestern habe ich eine geschlagene halbe Stunde an ihrem Bett gestanden, bis sie dazu zu bewegen war, sich aus dem Bett zu erheben. Und das nicht etwa, weil sie einfach noch müde war oder es einfach gern gemächlich angehen lässt - ich wäre die Letzte, die dafür kein Verständnis hätte.

Das Problem ist, dass sie ein (sehr wahrscheinlich psychotisches) Schmerzsyndrom hat. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Wirbelsäule kaputt sei (ist sie nicht, das wurde untersucht). Was man in der Schule über Psychosen lernt, ist ja sehr toll. Wie verhält man sich denn aber nun in der Praxis in so einer Situation? Unsere Aufgabe ist es, sie zu strukturieren und zu einen geregelten Tagesablauf zu sorgen. Ich darf ihren Wahn nicht unterstützen, muss aber Verständnis für ihre Ängste haben. Also bleibe ich freundlich, sage ihr, dass ich Verständnis für ihre Angst habe, dass sie aber sicher sein kann, dass ihre Wirbelsäule nicht kaputt ist. Ich lasse ihr eine gewisse Zeit zum Aufstehen - bin ich froh, dass ich nicht im Heim arbeite, schon allein die Vorstellung, sich morgens eine Stunde lang mit einem Patienten zu beschäftigen, ist utopisch - bleibe aber konsequent und vordere sie wieter zum aufstehen auf, wenn sie versucht, durch Erzählen abzulenken.

Solche Aktionen sind einfach nervenaufreibend - Du bist voll konzentriert und noch mittendrin weggerufen, weil Du (mal wieder) Sitzwache bei einem deliranten Patienten machen musst. Einem Menschen im Delir zuzuhören, ist schon eine Sache für sich. Es erfordert volle Aufmerksamkeit, mitzukriegen, was dieser jemand Dir gerade sagen will. Wer schon mal richtig bekifft war, hat eine ansatzweise Vorstellung von diesem Zustand - für einen selbst macht das, was man da erzählen will, den absoluten Sinn, man ist nur irgendwie nicht in der Lage, die richtigen Worte zu finde.

Der krönende Abchluss ist dann noch eine demente Patientin, die Dich pausenlos abfängt und Dir voller Panik erzählt, dass sie an ihren Schrank nicht rankommt und ihre Sachen nicht findet. Es ist furchtbar, dass der Schrank überhaupt abgeschlossen werden muss. Aber sie hat erst vor kurzem Corega-Tabs gegessen, und das muss natürlich iin Zukunft vermieden werden.

Das war so die Zusammenfassung meiner letzten Arbeitstage.

Ich freue mich soo.. auf die freien Tage um Pfingsten

1 Kommentar 27.4.08 21:55, kommentieren

18.4. Das Poststellenmonster

Gestern bei der Arbeit fiel mir ein, dass ich noch gar nichts vom Poststellenmonster erzählt habe..

Dazu zunächst soviel zu den örtlichen Begebenheiten unserer Klinik:

Ganz oben unter dem Dach versteckt befindet sich ein Bereich, zu dem Patienten keinen Zugang haben. das ist auch sehr gut so - schließlich soll sich die Gesundheit unserer Patienten in der Zeit bei uns ja verbessern.. Niemand vom Personal geht dort freiwillig hin, denn unter anderem befindet sich dort auch das Büro unseres Vorgesetzten, der Pflegedienstleitung. Ein Besuch dort oben verspricht also in der Regel nichts Angenehmes.

Zudem birgt die obere Etage ein mythisches Wesen: einen echten Drachen.

 

 

 

Dieser Drache verschlingt gnadenlos alle, die kühn genug sind (oder das Pech haben) dort hin zu gehen. Dort oben hockt er also in der Poststelle und wartet auf Opfer. Mit der Tatsache, kein Fachpersonal als Appetithappen zu bekommen, hat er sich inzwischen wohl abgefunden, denn er weiß ja, dass es genügend Zivildienstleistende und Auszubildende gibt..

Eines Tages war es dann also auch für mich soweit.. ich bekam die Mitteilung, oben in der Poststelle sei etwas für uns abgegeben worden, das ich zu holen habe. Von der Existenz dieses Drachen hatte ich bisher keine Ahnung. Unbedarft trat ich daher meinen Weg an..

Durch ein Unterfangen, das in etwa so zauberhaft ist wie Gleis 9 1/2 nach Hogwarts zu erreichen, gelangte ich schließlich zur oberen Etage. Nebelschwaden umfingen mich und umflossen meine Beine. Mit nun doch etwas zitternden Knien bahnte ich mir meinen Weg zur Poststelle.. Die Nebelschwaden verdichteten sich zu einem undurchdringlichen Dickicht, ein schier den Atem raubender Lavageruch und unvorstellbare Hitze empfingen mich beim Öffnen der Tür. "Hallo!" rief ich tapfer in den Nebel hinein,
"ich soll hier etwas für uns abholen". Durch den Nebel sah ich nun ein paar rotglühende Augen und hörte eine Stimme, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

"Zum Postfach bitte!" dröhnte die Stimme. "Ich weiß leider nicht nicht, wo das ist..", erwiderte ich nun schon etwas mutloser. ich hörte schwere Schritte langsam, aber unaufhaltsam auf mich zukommen. "Zum Postfach bitte!" widerholte die Stimme, "Umdrehen!". Ich drehte mich um. Da war es, das Postfach, schemenhaft zu erkennen. So schnell ich konnte, griff ich die bestellten Gegenstände und wollte mich leise davonschleichen. Ich bemerkte einen heißen Atem in meinem Nacken. Als ich mich zurückdrehte - stand der Drache in voller Größe vor mir und hob drohend eine Pranke. "Den Korb stehenlassen" fauchte er und setzte zum Feuerspeien an. Ich warf den Korb ins Postfach zurück, nahm die Beine in die Hand und rannte so schnell ich konnte aus dem Raum heraus. Ich konnte gerade noch rechtzeitig die Tür hinter mir schließen, um dem heißen Feuerstrahl zu entgehen, der mir hinterher geschleudert wurde

Was bin ich froh, dass ich heute hier sitze und die Geschichte erzählen kann ..

19.4.08 21:39, kommentieren

11.4. Psychiatrie Lektion 1 - Wie diagnostiziert man Alkoholabusus?

Ein neu bei uns aufgenommer Patient steht unter dem dringenden Verdacht, dem Alkohol übermäßig zugetan zu sein. Er gilt als setr schwierig im Umgang und dem Personal gegenüber wenig kooperativ.

An diesem Fallbeispiel soll  nun eruiert werden, welche spezifischen Verfahren die moderne Psychiatrie zur Diagnostik anwendet.

Es ist vormittag - ich betrete den Tagesraum unserer Station. O.g. Patient befindet sich ebenfalls dort. Ich gehe auf ihn zu und spreche ihn an.

"Möchten Sie etwas trinken?" frage ich. "Ja", kommt zu meinem Erstaunen die promte Antwort. "Sehr schön", fange ich den Ball also auf, "was hätten Sie denn gerne? Wasser, Saf..?" " 'n Bier!"

 Ja, damit hätten wir das dann auch geklärt

1 Kommentar 11.4.08 17:52, kommentieren

10.4. I.m.-Injektion und Linkshändigkeit

Heute wird mein Beitrag mal etwas fachlich.. ich bin nämlich verwirrt. Sollte das hier zufällig irgend jemand lesen, der Linkshänder ist und zufällig auch noch selbst spritzen kann - ich stehe vor einem Rätsel. Das zweite mal, seit ich selbst intramuskulär spritzen darf, habe ich von einer Kollegin gesagt bekommen, als Linkshänderin müsste ich mich zur anderen Seite des Patienten stellen.. ja wieso das denn? Ist es nicht völlig unerheblich, in welcher Hand ich dabei die Nadel halte? Hmmm.. ich verstehe das nicht.. muss dringend mal mit meinem Lehrer darüber reden..

Diesen Beitrag habt Ihr jetzt nicht verstanden? Das macht nix.. ich auch nicht.. Danke, dass Ihr ihn trotzdem gelesen habt..

Ich bin müde..

*wink* bis zum nächsten Mal  

 

2 Kommentare 10.4.08 22:57, kommentieren