Psychiatrie

22.8. Abschied

Heute, an meinem letzten Tag, standen mir beinahe die Tränen in den Augen. Aber nicht vor Abschiedsschmerz, obwohl mir die Einrichtung bestimmt fehlen wird, sondern aus Frustration.

Zunächst fand ich es schrecklich, dss ich an meinem letzten Tag noch so eine negative Erfahrung machen musste.

Ich mochte bei der Arbeit in der Psychiatrie immer besonders gerne, dass ich mir Zeit für die Patienten nehmen und auf ihre Bedürfnisse eingehen konnte.

Und ausgerechnet heute trieb unsere Chefin uns völlig unnötigerweise zur Eile an.

Ich habe mich beim Waschen abgehetzt, so gut ich konnte. Das Ergebnis war, dass meine ohnehin verwirrte Opatientin sich unwohl gefühlt hat und meinte "Sie sind so gehetzt". Da hat sie wohl recht. gerade Demente nehmen gefühle enorm fein auf.

"Verwirrt nicht die Verwirrten", fällt mir dazu ein. Schade.. So wollte ich nie arbeiten und will es auch in Zukunft nicht..


Außerdem wurde mein Abschied so ziemlich komplett übergangen. Kein Dankeschön, von einem Präasent erst gar nicht zu reden. keine Frage danach, wie es jetzt weiter geht..

Ich habe im Moment wenig Bedarf, die nochmal besuchen zu gehen. Werde aber trotzdem am Montag noch mal vorbei gehen.

Ich meine, ich kenne meine Schwächen, ich weiß, dass ich bestimmt genügend Fehler gemacht habe. Aber ich finde nicht, dass ein Abschied SO aussehen muss..

1 Kommentar 28.8.08 21:43, kommentieren

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16.8. Feueralarm

Freitag am späten Abend - mein erster Nachtdienst.

Der fing gleich super an, mit Feueralarm. Zum Glück kann meinen Kollegen, mit dem ich Dienst hatte, so schnell nix aus der Ruhe bringen, so dass ich wenig Gelegenheit für Panik hatte.

Das Blöde daran ist, dass sich bei Feueralarm die Sicherheitstüren automatisch öffnen.  Ich hab schon halb erwartet, dass jetzt gleich alle Patienten fröhlich raus spazieren. Haben siie dann aber nicht gemacht. Sie haben friedlich weiter geschlafen - im Gegensatz zu uns hat sie das permanante Fiepen nicht die Bohne gestört. Na gut, wir kriegen ja auch keine Psychopharmaka


Die Feuerwehr rückte also an, riesen Spektakel.

Nachher stellte sich dann heraus, dass der Pförter sein Essen in der Küche vergessen hatte, und das muss wohl zu qualmen angefangen haben

 
Überhaupt war das eine super Nacht. Ich habe mich gefühlt wie in einem Film, den jemand immer wieder zurück spult. Alle 2 Minuten das gleiche Bild. Schlurf-tap kommt die Patientin aus dem Zimmer gekrochen und setzt sich in den Stuhl. Wenn ich dann auf ihr "Hallo Schwester" zu ihr eile, bittet sie mich, sie ins Bett zu bringen. Gefühlte 320 mal.

Gegen 3 Uhr morgens hatten wir es dann geschafft. Die Patientin schlief. Zwischendurch hatte ich sie noch ungefähr 5 mal mit Tee und Broten versorgt.

Währenddessen sind schon wieder die nächsten Patienten wach und wollen unterhalten werden. Einer von ihnen kam an und wollte so alle 5 Minuten eine Zigarette haben. Dumm nur - die eine Schachtel, die der Sohn mitgebracht hatte, war schon längst alle..

Nun ja, ich habe es überstanden. Heute war Schule und morgen ist wieder Frühdienst. Und am Freitag ist auch schon Abschied..

 

Bis dann

20.8.08 19:43, kommentieren

25. 6. Yihhhaaa!

Habe meine praktische Prüfung bestanden, mit 2,7.


Heute morgen um 9 bin ich mit Malinka und meiner Ma zur Schule gefahren.


Bei der Ankunft steht unsere Psychologie-Lehrerin da und grinst breit wie ein Honigkuchenpferd.

"Na, erleichtert?" sagt sie zu mir. 

Ich kenne meine Note ja noch nicht und antworte: "Na ja, ich hab's hinter mir."

"Und dann noch mit so gutem Ergebnis", meint sie daraufhin.

Ich grüble noch, mit wem sie mich wohl verwechselt hat und gehe in die Höhle des Löwen, ins Büro der Schulleiterin.

 Ich bekomme eine Vortrag über meine Leistung.

Den Punkt Kommunikation betreffend. "Wissen sie eigentlich, dass sie im Bad alle 2 Sekunden so gesagt haben?" 

Nö - hab ich nicht gemerkt. ich habe während der Prüfung geredet?

 

Egal - ich habe eine gute Pflegeplanung und ein gutes Reflexionsgespräch abgeliefert und bin damit auf 2,7 gekommen.


Jetzt waren wir noch rasch im Laden und haben uns ein Sektchen gegönnt.

 
Skol! Nastrovje!

 

 

1 Kommentar 25.6.08 13:03, kommentieren

24.6. Es ist vollbracht - Praktische Prüfung 2. Tag

So - das war es jetzt also. Die praktische Prüfung liegt hinter mir.


So richtig glauben kann ich das noch nicht.

Ich habe diese nacht kaum geschlafen und war tatsächlich um 5 auf der Arbeit, um alles vorzubereiten.

Um Punkt 7 war es dann soweit - meie Lehrerinnen standen da. Ich hatte dann noch eine halbe Stunde Schonfrist, weil sie erst noch meine Pflegeplanung gelesen haben.

 Ich war furchtbar aufgeregt, und , na ja, ein Meisterstück war das nicht, was ich da abgeliefert habe, aber alles in allem hat es zum Bestehen wohl gereicht.

 Morgen gehe ich dann zur Schule und hole mir meine Note ab - das dürfen wir wegen einer gerade in Kraft getretenen Neuregelung. Na ja, bin gespannt..

 

Und jetzt bin ich erst mal wieder.. Ihr werdet es erraten..

 

1 Kommentar 24.6.08 12:03, kommentieren

23.6. Oh, what a day.. Praktische Prüfung Teil 1

Halbwegs ausgeschlafen trotte ich heute morgen zur Arbeit.

Heute soll es also soweit sein: ich erfahre,  wen ich in der Prüfung bekomme und schreibe dann die Pflegeplanung.

Der Tag und ich bilden heute ein unschlagbares Duo: beide sind wir chaotisch und irgendwie daneben.

Super Idee von meiner Chefin, mich heute schon um 8 antanzen zu lassen. 

Dieser Tag ist einfach grässlich: Hektik unter dem Pflegepersonal, niemand hat Zeit, sich um mich zu kümmern. Gestern gab es einen unerwarteten Todesfall (das war ein ganz schöner Schock - ich erinnere mich noch gut an das nette Lächeln und das freundliche Gesicht des Patienten). Die Laune der Chefin ist mal wieder auf dem Nullpunkt.

Bis um 10 sitze ich quasi nutzlos herum und machte mich selbst total verrückt, weil ich "solange ja schon mal den Pflegewagen vorbereiten" könnte.

Welchen Pflegewagen? Meine Anleiterin erklärt mir, beide Pflegewagen seien morgen früh unabkömmlich und bitet mir an, doch einen der Transport - und Essenswagen zu verwenden.

Äh - nein Danke. Ich beleihe morgen früh eine andere Station.

Um 10 Uhr kommt meine Anleiterin mich dann abholen und führt mich in die Höhle des Löwen, äh, in den Arbeitsraum. Ok, das Schreiben an sich ist jetzt nicht so richtig schwierig, es fällt mir nur schwer, mich zu sammeln. Zwischendurch muss ich mal raus - rauchen, Toilette, neue Blätter kopieren. beoim letzten Kopiergang ist dann plötzlich mein Schlüssel verschwunden. Ich war nur eine Sekunde abgelenkt, weil ich mit einer Kollegin gesprochen habe.

Panik! Nach ein paar Minuten Herzinfarkt findet er sich dann in der Tasche meiner Kollegin wwieder.. uuff.. 

Ich schreibe alles ungefähr 5 mal ab, damit es leserlich ist, und vergesse natürlich prompt beim finalen Abschreiben einen Punkt der Pflegeplanung. 

Ich habe aber das Vorgeschriebene mit abgegeben, und hoffe, dass sie das akzeptieren. ich bin auch der Ansicht, dass sie mir eine Stunde zu wenig zum Abschreiben gegeben hat - vielleicht kann ich morgen früh mit ihr dealen, dass wir das vergessen, wenn sie mir die Planung morgen früh noch mal gibt, damit ich den Punkt dazu schreiben kann.

So, das war's also für heute. ich werde jetzt noch ein wenig relaxen, zwischendurch nochmal in die Bücher schauen, weiter relaxen und mich zur Entspannung tief in mich versenken.

 

bis morgen dann also..

 

ommmm...

 

 

 

23.6.08 14:41, kommentieren

15.6. Katyusha

Heute gibt es eine kleine Geschichte über die fast schon magische Kraft, die Musik auf Menschen hat.

Wir haben zur Zeit einen russischen Patienten. In Momenten wie diesen bedauere ich es sehr, kein russisch zu können.

Glücklicherweise kenne ich durch eine Freundin die Melodie eines russischen Volksliedes, "Katyusha".

So dachte ich mir, ich versuche mein Glück und beginne dieses Liedchen zu summen.

Sofort kehrt Leben in den sonst sehr stillen und häufig traurig blickenden Mann, seine Augen strahlen und er beginnt das Lied zu singen.

Solche Momente verblüffen mich doch immer wieder.

Für alle die das Lied nicht kennen:

"Katyusha" gilt heute als Symbol für die Befreiung vom Nationalsozialismus. Bekannt war es bereits früher, doch seit Hitlers Überfall auf die Sowjetunion 1942 wird es am Nationalfeiertag gesungen.

Katyscha ist ein Wortspiel, es handelt sich sowohl um einen russischen Mädchennamen als auch um den Namen einer russischen Abwehrrakete.

Einige kennen das Lied vielleicht in der deutschen Version Kasatschok.


 

Hier der Text und die Übersetzung:

Rastsvetali yabloni i grushi,
poplýli tumani nad rekoi,
výkhadyila na byereg Katyusha,
na výsoki byereg, na krutoi





Die Apfel- und die Birnbäume erblühten,
Nebelschwaden lagen über dem Fluss,
da ging Katjuscha hinaus aufs Ufer,
auf das hohe, steile Ufer.

 
 

Výkhadyila, pyesnyu zavodyila,
pro stepnovo, sizovo orla,
pro tavo, katorovo lubyila,
pro tavo, tshi pyisma beregla.

Sie ging hinaus und sang ein Lied
über einen grauen Steppenadler,
über den, den sie liebte,
über den, dessen Briefe sie bewahrte.

 
 

Oi, tý pyesnya, pyesen'ka dyevitshya,
tý leti za yasným sontsem vsled
i boitsu na dalnem pogranyitshi
ot Katyushi pyeredai privyet.

Ach, du Lied, du kleines Lied eines Mädchens,
fliege hinter der hellen Sonne her
und bringe dem Krieger im fernen fremden Land
von Katjuscha einen Gruss.

 
 

Pust' on vspomnit dyevushku prastuyu,
pust' uslýshit, kak ana payot,
pust' on zemlu byerezhot radnuyu -
a lyubov Katyusha zbyerezhot.

Er soll an sein einfaches Mädchen denken,
er soll hören, wie sie singt,
er soll die heimatliche Erde beschützen -
und Katjuscha wird ihre Liebe bewahren.

 
 

Otsvetali yabloni i grushi,
uplýli tumani nad rekoi.
Ukhadyila z byerega Katyusha,
unasyila pyesen'ku damoi.

Die Apfel- und die Birnbäume sind verblüht,
der Nebel über dem Fluss ist verschwunden.
Katjuscha ist vom Ufer fortgegangen
und hat ihr Liedchen mit nach Hause genommen.

1 Kommentar 16.6.08 17:49, kommentieren

5.6. Dusselige Kuh

Nein, ich spreche jetzt nicht über Alfred Tezlaff..

"Dusselige Kuh" gehörte zu den Schmeicheleien, die ich mir heute den gesamten Arbeitstag über anhören durfte.

Ich hatte heute den kompletten Tag lang 1:1-Betreuung bei einem Patienten aus Österreich, ehemaliger Schauspieler und Freund eines doch relativ bekannten deutschen Schauspielers.

Sich die ganze Zeit - na ja, fast die ganze Zeit über - beschimpfen zu lassen, ist nicht einfach. Dann passt dem Herren natürlich das Essen nicht, die Art, wie wir ihn anziehen und aus dem Bett heben, ist selbstredend auch verkehrt..
Kurzum, es war ein richtig vergnüglicher Vormittag..

Es tut mir wahnsinnig leid, wenn so kluge Menschen dement werden - mein bisheriger Eindruck ist, dass es die am schwersten trifft und sie am meisten darunter leiden. Sie haben ja bisher vorallem ihren Kopf benutzt und merken den Verlust daher am stärksten..

P.S.: Ein kurzer Auszug aus dem Leitfaden für Sitzwachen, der bei dem Patienten auf dem Tisch lag:

Wegen der Verletzung der Aufsichtspflicht sind Fernsehen und Schlafen nicht gestattet..

Ach, die meinen also, ich hätte lieber doch nicht?!

1 Kommentar 5.6.08 17:16, kommentieren