Sex und Sechzig

Ok ok, ich geb zu, meine Überschriften waren schonmal besser..

Nach so viel  deprimierendem Geschreibsel wollte ich jetzt aber gern noch etwas ein wenig Amüsanteres hinterher schicken.

Auch wenn es für einige schwer vorstellbar sein mag: ja, auch alte, selbst kranke Menschen, haben ein Bedürfnis nach Sexualität. Weshalb auch nicht? Es gibt da keinen Schalter im Gehirn, der den Wunsch nach Sex ausschaltet, weil unsere Gesellschaft findet, dass das ab einem gewissen Alter nicht mehr angemessen sei.

Wie stark ausgeprägt dieses Bedürfnis ist, hängt wohl in erster Linie damit zusammen, welchen Stellenwert Sex das ganze Leben über hatte.

So werden natürlich auch wir Pflegekräfte damit konfrontiert. In der Nacht laufen Erotikfilme im TV, es kommt auch schonmal vor, dass jemand von uns in eine unangenehme Situation platzt - man betritt ein Zimmer, und der Bewohner ist gerade mit seinem Ehepartner oder mit sich selbst beschäftigt. Ich habe auch schon von Kollegen gehört, die gebeten wurden, einem Bewohner Pornohefte zu besorgen.

So what?

An dieser Stelle wird man mit seiner eigenen Einstellung zur Sexualität konfrontiert. Je nachdem, wie offen man dem Thema selbst gegenüber steht, wird man wohl zunächst erschrocken, peinlich berührt sein oder gleich von Anfang an locker damit umgehen.

Die schlechteste aller Möglichkeiten ist wohl, den Bewohner zu beschimpfen. Selbst dann nicht, wenn man selbst betroffen ist. Ich habe schon häufiger erlebt, dass jemand beim Waschen eine Erektion bekam, und wurde auch schon (wenn auch immer recht höflich) angemacht. Manch eine Kollegin wurde auch schon unsittlich berührt. Da hilft nur, freundlich, aber deutlich Grenzen zu setzen.

Warum ich alles gerade jetzt erzähle? Weil das Daniel-Schätzchen, mein Kollege, gestern abend eine Intimrasur bei einem Bewohner durchgeführt hat. Der Bewohner hat dabei wohl zwei mal ejakuliert. Also, ich bin froh, dass ich nicht an Daniels Stelle war.. emotion

Tanja, eine sehr liebe russische Kollegin, kam zum Nachtdienst und hörte die Geschichte. Ohne eine Miene zu verziehen, sah sie Daniel an und sagte trocken: "Du bist ein sehr mutiger Mann". Joa, so kann man das auch ausdrücken emotion

 

2.10.09 12:36

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