Es gibt Nächte,..

die möchste vergesen.

Und diese Nacht gehört zweifellos dazu.

Durch traurigen Neuigkeiten direkt während der Fahrt zur Arbeit (darüber werde in an anderer Stelle schreiben) kam ich schon wie ein halber Mensch in meiner kleinen Pflegefamilie an.

Nach der Übergabe starten wir wie immer unsere erste Runde. Ich betrete das Zimmer von Herrn A. - und mir bleibt für einen Moment fast das Herz stehen. ich will Euch nicht mit Details schocken, aber ein fortwährend dunkelbraune Flüssigkeit erbrechender und gleichzeitg den Darm entleerender Mensch ist kein schöner Anblick. Jegliche Versuche, den armen Mann und das Bett zu säubern, bleiben sinnlos, da die Quelle nicht versiegt. Weil das ja noch nicht reicht, zeigt das Thermometer auch noch eine Körpertemperatur von 40°C an.

Also nicht lange überlegt und die Feuerwehr gerufen. Der sehr bald darauf erscheinde Herr, seines Zeichens zuständig für den Transport, lässt uns wissen, dass wir in seinen Augen unfähig sind und nur darauf bedacht, unsere Patienten loszuwerden. Im Beisein von Herrn A.  sagt er etwa Folgendes: "Das ist doch ein Pflegefall. Soll ich den wirklich mitnehmen? Dem kann doch eh keiner mehr helfen. Den schicken die doch sowieso gleich wieder zurück."

Wir geben ihm zu verstehen, wieviel Wert wir auf seine Meinung legen (und denken uns, dass es da einen Ort gibt, in den er sie sich stecken kann..) und lassen unseren Patienten mitnehmen.

Inzwischen ist es 1 Uhr nachts, und ich habe die ehrenvolle Aufgabe, die völlig aufgelöste Ehefrau des Patienten anzurufen.  Ich habe mittlerweile fürchterliche Magenschmerzen -Merke: Kummer, Aufregung, Kaffee und Nikotin in Kombination sind zur Schonkost ungeeignet, wie ich heute im Selbsttest herausfand- und kann erstmal nicht mal verarbeiten, denn die Runde muss erst noch beendet werden. Show must go on..

 4 Uhr. Frau A. ruft an. Sie konnte natürlich nicht mehr schlafen und ist gleich ins Krankenhaus gefahren. Die Beiden sind immer noch in der Notaufnahme, aber immerhin steht nun die Diagnose fest: Lungenentzündung.

6.30 Uhr. Bei der Übergabe wird die Nachricht weiter gegeben. Erschrockenheit macht sich breit, und nacheinander werden die noch zu kühle Luft, die Ehefrau und verschlucktes Essen verantwirtlich gemacht.

Ich hoffe  jedenfalls, dass Herr A. das gut übersteht.

Nun bin ich zu Hause angekommen und gespannt, wie mein Magen das Frühstück findet, das ihm jetzt gleich angeboten wird.

 

Gute Nacht

 

 

 

 

2.5.09 08:57

Werbung


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nutella-prinzessin / Website (2.5.09 23:25)
- Du Heldin -


Anna-von-S (7.5.09 20:18)
Heldin? Bin ich ganz sicher nicht, und es war auch nie mein Ziel, mich so darzustellen.
Ich kam müde von einem traurigen Nachtdienst nach HAuse und wollte mir den von der Seele schreiben.. that's it..


nutella-prinzessin / Website (7.5.09 22:39)
Bin heilfroh, dass es Menschen wie Dich gibt. Ich könnt das nicht. Das sollte mal raus.


Anna-von-S (8.5.09 12:20)
Danke.. das ist Balsam für die Seele, wenn sowas hin und wieder jemand bemerkt..

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen