Im Garten der Liebe hab ich Träume vergraben..

19.4.09 12:38, kommentieren

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Tag ohne Morgen

Zeit, ein wenig ernster zu werden - trübe Gedanken trotz des schönen Sonnenwetters..

Ich kann mich zwar mich nicht gut selbst belügen, aber ich bin recht gut darin, Dinge zu verdrängen, mit denen ich mich nicht auseinander setzen will.

Der Tod unserer Patienten fällt eindeutig in diese Kategorie. Die Tatsache, dass wir sehr viele von ihnen auf ihrem letzten Weg begleiten, habe ich mir bisher einfach nicht bewusst gemacht. Nun aber lässt sich das kaum vermeiden, und es wird Zeit, dass ich mir eine Strategie überlege.

Wir beherbergen eine Krebspatientin, die unglaublich tapfer und mit unbeschreiblichem Lebenswillen bereits seit 11 Jahren gegen ihre Erkrankung ankämpft. Nun ist sie zu uns gekommen, weil ihre Kinder in dieser Stadt leben und sie in ihrem letzten Moment bei ihnen sein wollte.

Wir führen viele Gespräche, und sie weiß sehr genau, wie es um ihre Gesundheit steht. Ich bin sehr froh darüber, dass sie ein so realistisches Bild hat. Ärzte hier haben ihr viele Hoffnungen gemacht, die sich letztlich nicht erfüllt haben. Daran hat sie aber zum Glück von Anfang an nicht geglaubt.

Ohne Euch zu sehr mit Details belasten zu wollen: sie hat einen Tumor, ausgehend von den Nieren, der immer größer wird, sich im Bauchraum ausbreitet und langsam aber sicher beginnt, auf die Organe zu drücken. Das Atmen fällt ihr mit jedem Tag merklich schwerer, nicht zuletzt durch das Gewicht des immer größer werdenenden Bauches.

Ich kann noch nicht begreifen, wie das sein wird. Der Mensch, mit dem ich scherze und rauchend auf der Terasse sitze, soll schon so bald nicht mehr da sein? Kein Geschlurfe mehr, wenn sie mit im Bademantel mit der Tasse in der Hand zu uns kommt, ihren Kaffee mit uns zu trinken?

In wie weit wir ihr wirklich Linderung geben können, kann ich nicht sagen. Sie erhält jetzt schon täglich Morphium, und in der nächsten Zeit werden wir die Dosis dann so weit erhöhen, dass sie nichs mehr mitbekommen muss.

So wird sie also schon quasi weg sein, bvor ihr Körper den Kampf verliert.

 Wird es in meiner Schicht passieren? Wie werden die Kinder reagieren?

Wie wird er sein, ihr Tag ohne Morgen?

16.4.09 17:36, kommentieren

Wann ist ein Mann ein Mann?

Heute mal eine Frage, die sich in erster Linie an die Männerwelt richtet:

Könnt Ihr es Euch erstrebenswert vorstellen, sich freiwillig von einer Pflegerin an- bzw. ausziehen und waschen zu lassen?

Steht man als Mann dann nicht so da, wie man gerade von einer jungen, attraktiven Frau nicht gesehen will - hilflbedürftig, alt und schwach?

Oder ist das zu weiblich gedacht und die Aussicht auf  Körperkontakt zählt viel mehr?

Antworten bitte direkt hierher.. 

 

Und da ich gerade mal wieder aus der Nachtschicht komme, gehe ich jetzt schlafen. Guten Tag 

 

2 Kommentare 15.4.09 08:32, kommentieren

Zwoa Herzen, a Busserl


Nein, dies wird keine bajuwarische Liebesgeschichte.

Den heutigen Eintrag möchte ich dem Thema Musik widmen. Musik ist in allen Bereichen ein elementarer Bestandteil unserer Arbeit.

Begonnen damit, dass MTV und Viva uns durch die Nachtschicht retten und auch meist morgens noch dudeln, bis sich irgendwer erbarmt und zumindenst den Ton wegschaltet. Gerüchtehalber sollte es dann und hilfreich sagen, der Übergabe des Nachtdienstes zu lauschen. Manchmal erfährt man sogar etwas mehr als "War alles ruhig, alle leben, alles chic"..

Immer wieder erbauend ist auch unser Musiktherapeut, der mit einem leisen "Hallöschen" herbeischlurft und unsere Wachkoma-Patienten mit Klangschalen und Zen-Meditation versorgt. Er ist die Ausgeglichenheit in Person, solange es niemand wagt, während der Sitzung das Zimmer zu betreten und ihn beim "ommmm" zu stören.

Mein persönliches Highlight ist eine Volksmusik-Kassette von einem unserer Patienten. Er liebt sie abgöttisch, und so dudelt sie jeden Morgen und jeden Abend bei der Grundpflege. Patrick Lindner und co sind mittlerweile alte Bekannte für mich geworden. Ich kann die Texte wie "Ein kleines Feuer, das Dich wärmt" und "Zwoa Herzen, a Busserl" im Schlaf sprechen, und unser neuer Pflegehelfer hat mir erzählt, dass sie ihn tatsächlich im Traum verfolgen.

Neulich war ich mit unserem Zivi - Typ langhaarige Assel - im Zimmer unserer Wachkoma-Patientin. Wenn wir zu ihr gehen, greifen wir zumeist in ihren CD-Stapel und lassen irgendjemanden trällern. Der Zivi wühlt sich stirnrunzelnd durch die Auswahl an Tonträgern von Roger Whittaker, Roland Kaiser, Michelle und Wolfgang Petri und schaut die Patientin dann missbilligend an. "Also wissen sie", sagt er tadelnd, "ich hab sie ja wirklich gern, aber sie haben einen sch..-Musikgeschmack."

 "Tja", antworte ich an ihrer Stelle, "falls Du das erwartet hast: Cradle wirst Du in der Sammlung vermutlich eher nicht finden.."

9.4.09 12:40, kommentieren

.. nun ist er weg

und ich bin verwirrt.

Im Moment weiß ich einfach nicht, was ich will.

Ich bin traurig über den Abschied - manchmal merkt man erst, wenn es weg ist, was man vermisst. 

Was aber vermisse ich? Ist es Gewohnheit, oder ist es wirklich ER, der mir fehlt?

Habe ich die richtige Entscheidung getroffen, oder habe ich gerade eine Chance verpasst, die mir das Schicksal zugespielt hat, irgendwo von vorne anzufangen?

Na ja, ich habe jetzt ja Zeit, darüber nachzudenken, bis wir uns wiedersehen. 

 

 

 

 

1 Kommentar 6.4.09 19:02, kommentieren

Höchststrafe?

Sagtest du nicht selbst mal, es sei die Höchststrafe, die man jemandem zuteil werden lassen kann, wenn man den Kontakt abbricht?

Es ist sehr schade, dass wir nicht einmal mehr miteinander reden können..

23.3.09 16:11, kommentieren

Urlaub

So, die letzten beiden Nachschichten hinter mich gebracht, und nun befinde ich mich offiziell im

URLAUB!

Das sieht dann in etwa SO aus:

 

 

Ihr seht also, ich habe mir viel vorgenommen

Für eine Woche, habe ich mir vorgenommen, werde ich alle Diskussionen vergessen und weder von Sauerstoff-Sättigung, noch von Trachealkanülen träumen.

Amen

1 Kommentar 23.3.09 16:06, kommentieren