Einkaufen mal anders

Eine Sache, die ich sehr schätze, ist das Einkaufen für die Bewohner. Es ist sehr angenehm, das geht nämlich so:

Mit Dienstbeginn schaue ich in den Kühlschrank und checke die Lage. Mein müdes Auge erfasst mit einem Rundumschlag, dass da noch Butter und Toast fehlen. Also mache ich zwei Schritte zum Fahrstuhl und drücke den Knopf. Sobald der Fahrstuhl da ist, fahre ich in die Küche im Erdgeschoss, wo ich den mehr oder wenige rfreundlichen Damen meinen Wunsch äußere. Zwei Sekunden später halte ich das Gewünschte in den Händen und kann wieder nach oben fahren.

 Wenn der Blick in den Pflegeschrank mir verrät, dass Duschgel und Pflegelotion fehlen, greife ich in meinen Kittel zum Telefon und rufe unseren Mâitre de Hauswirtschaft an. Dieser kommt dann umgehend vorbei und beliefert mich.

 Ich finde, Einkaufen dürfte imme rso bequem sein. Während einer Zigerettenpause verkünde ich das vor den Kollegen. Kollege T., den ich für seine Gabe schätze, die Dinge prägnant auf den Punkt zu bringen, schaut mich an und stellt trocken fest: "Gar kein Problem. Lausige 4000€ und das Zimmer oben gehört Dir.. "

 

 

2 Kommentare 15.5.10 13:33, kommentieren

Werbung


Kauderwelsch

Eine Pflegekraft sagt und denkt im Laufe eines Arbeitstages lauter lustige Dinge. So z. B.: "Mal nachsehen, ist das Fentanyl heute eigentlich schon geklebt worden?""Bin mal gespannt, wie lange das IKM noch reicht, wir brauchen unbedingt bald neues." "Ich muss mal den Arzt anrufen, der soll mal Laktulose anordnen" "Kannst Du noch eben rasch das BTM kürzeln?"

Manchmal stoßen wir aber auch an unsere Grenzen. Kürzlich fiel mir der Pflegeüberleitungsbogen eines neu eingezogenen Bewohners in die Hände. "Immobilität, z.N. Humusfraktur" lese ich dort. So weit, so gut. Er kann also nicht mehr laufen, da er sich in der Vegangenheit den Humusknochen gebrochen hatte. Was aber ist dieser Humusknochen? Da meine Chefin gerade neben mir sitzt, gebe ich die Frage an sie weiter. Sie tippt auf Schlüsselbein. Das kann ich aber ausschließen, da ich 1. weiß, dass Schlüsselbein Clavis heißt und 2. dieser Knochen trotz seines Namens relativ selten zur Fortbewegung genutzt wird.

 Wer also weiß, um welchen Knochen es sich handelt, der darf sich hier gern bei mir melden. Er erhält dann eine besondere Erwähnung in diesem meinem feinen Blog sowie ein extra liebes Lächeln 

1 Kommentar 15.5.10 13:18, kommentieren

Ich bin wieder hier..

Soo.. nach längerer Pause werde ich mich hier mal wieder verewigen.

 Vor einigen Wochen habe ich dem Intensiv-Bereich den Rücken gekehrt und bin räumlich gesehen von ganz unten nach ganz oben gewandert.

Nunmehr bin ich zuständig für die Wohlsituierten, quai die Reichen und Schönen. Deshalb dachte ich, ich könnte ja mal wieder beginnen, darüber zu berichten. 

Irgendwie habe ich über den Intensivbereich recht wenig geschrieben. Das liegt aber auch irgendwie in der Natur der Sache - Schwerstpfelegebdürftige, insbesondere Menschen im Wachkoma, kommuniezieren deutlich weniger und geben daher entschieden seltener Anlass zu Freude, Traurigkeit oder Ärger

 

Kurz ein weing zu den Gegenheiten in meinem neuen Reich: es ist eine kleine Station mit recht großen (und daher nicht eben günstigen) Zimmern. Im Frühdienst werden die Bewohner von zwei Pflegekräften, im Spätdienst von einer Pflegekraft allein versorgt. Da ich schon zu Beginn bei meinem Chef angesagt habe, dass es nicht zu den liebsten Dingen in meinem Leben gehört, um 4 Uhr morgens aufzustehen, übernehme ich in den meisten Fällen den Spätdienst.

Man muss sich das so vorstellen, dass die meisten der mir anvertrauten Bewohner ein wenig verwöhnt sind. Ich beschäftige mich mit Dingen, von denen ich vorher nicht einmal wusste. Ich bügle zu Hause nie, ich habe mein Bügeleisen seit Jahren nicht mehr gesehen - und nun muss ich mich mit der Technik des Hosenfaltens auseinandersetzen, bei der die Bügelfalten geschont wereden. Ahh jaa..

Neulich, im Zimmer einer Bewohnerin. Ich habe Kaffee und Kuchen und neues Wasser bereit gestellt und will das Zimmer gerade wieder verlassen, als ein Wehklagen anstimmt.. Während ich mich umdrehe um nach der Mingvase zu schauen, die ich bestimmt umgeworfen haben muss, erklingt es auch schon: "Oh je, jetzt haben sie die schönen Fransen an meinem Teppich unordentlich gemacht!"..  Oh verdammt, ich bin ein schlechter Mensch..

1 Kommentar 15.5.10 13:06, kommentieren

Sex und Sechzig

Ok ok, ich geb zu, meine Überschriften waren schonmal besser..

Nach so viel  deprimierendem Geschreibsel wollte ich jetzt aber gern noch etwas ein wenig Amüsanteres hinterher schicken.

Auch wenn es für einige schwer vorstellbar sein mag: ja, auch alte, selbst kranke Menschen, haben ein Bedürfnis nach Sexualität. Weshalb auch nicht? Es gibt da keinen Schalter im Gehirn, der den Wunsch nach Sex ausschaltet, weil unsere Gesellschaft findet, dass das ab einem gewissen Alter nicht mehr angemessen sei.

Wie stark ausgeprägt dieses Bedürfnis ist, hängt wohl in erster Linie damit zusammen, welchen Stellenwert Sex das ganze Leben über hatte.

So werden natürlich auch wir Pflegekräfte damit konfrontiert. In der Nacht laufen Erotikfilme im TV, es kommt auch schonmal vor, dass jemand von uns in eine unangenehme Situation platzt - man betritt ein Zimmer, und der Bewohner ist gerade mit seinem Ehepartner oder mit sich selbst beschäftigt. Ich habe auch schon von Kollegen gehört, die gebeten wurden, einem Bewohner Pornohefte zu besorgen.

So what?

An dieser Stelle wird man mit seiner eigenen Einstellung zur Sexualität konfrontiert. Je nachdem, wie offen man dem Thema selbst gegenüber steht, wird man wohl zunächst erschrocken, peinlich berührt sein oder gleich von Anfang an locker damit umgehen.

Die schlechteste aller Möglichkeiten ist wohl, den Bewohner zu beschimpfen. Selbst dann nicht, wenn man selbst betroffen ist. Ich habe schon häufiger erlebt, dass jemand beim Waschen eine Erektion bekam, und wurde auch schon (wenn auch immer recht höflich) angemacht. Manch eine Kollegin wurde auch schon unsittlich berührt. Da hilft nur, freundlich, aber deutlich Grenzen zu setzen.

Warum ich alles gerade jetzt erzähle? Weil das Daniel-Schätzchen, mein Kollege, gestern abend eine Intimrasur bei einem Bewohner durchgeführt hat. Der Bewohner hat dabei wohl zwei mal ejakuliert. Also, ich bin froh, dass ich nicht an Daniels Stelle war.. emotion

Tanja, eine sehr liebe russische Kollegin, kam zum Nachtdienst und hörte die Geschichte. Ohne eine Miene zu verziehen, sah sie Daniel an und sagte trocken: "Du bist ein sehr mutiger Mann". Joa, so kann man das auch ausdrücken emotion

 

1 Kommentar 2.10.09 12:36, kommentieren

Du nimmst nichts mit

Dieser Songtext von Subway to Sally kam mir gerade in den Sinn. Nunmehr gibt es ein weiteres und wohl letztes Kapitel von Monis Geschichte zu erzählen. Am Dienstag war ihr Schwiegersohn da, um die Möbel aus ihrem Zimmer abzuholen. Einige persönliche Dinge hat er da gelassen, und diese haben wir dann am Mittwoch aus ihrem Zimmer entfernt. Hauptsächlich waren es Pflegeutensilien.

Dieser Vorgang ist nicht neu für mich, ich habe schon häufig solche Überbleibsel aus Zimmern von Bewohnern entfernt, die gestorben waren. Trotzdem bewegt es mich immer sehr, zumal ich in diesem Fall die Betreffende doch einige Zeit kannte.

Ich finde es eine seltsame Vorstellung, dass alles, was nach über 50 Jahren auf dieser Welt von einem Leben übrig bleibt, 2 Müllsäcke sind, die man wegwirft.

Wir standen in diesem Bad und haben Lippenstifte, Deo, ja sogar ihre Zähne der Ewigkeit in Form einer Müll-Verbrennungs-Anlage übergeben. Natürlich musste ich auch daran denken, dass eines Tages all meinen persönlichen Dingen das gleiche Schicksal widerfahren wird.

Das Elbchen hatte, als ich ihr davon erzählte (fühl Dich an dieser Stelle gedrückt vin mir ;-) )  einen sehr tröstlichen Gedanken für mich. Sie sagte, dass von einem Menschen ganz andere als materielle Dinge bleiben - nämlich dass, was er hier in dieser Zeit geschaffen hat, die Freude, die er verbreitet hat. Dinge eben, an die man sich erinnert. Und ich denke, sie hat Recht.

So werde ich sie immer in Erinnerung behalten als die Frau, die in ihrem Bademantel zu uns geschlurft kam, um unseren Geschirrspüler auszuräumen, und um mit uns auf der Terasse Kaffee zu trinken und zu rauchen. Mach's gut, Moni.

 Bitte verzeiht mir diese heute recht pathetisch geratenen Zeilen

 

1 Kommentar 2.10.09 11:54, kommentieren

Hol mal den Ampullenreiniger!

In jeder Berufssparte war und ist es üblich, die Azubis aufs Korn zu nehmen. Wie lustig so ein Scherz ist, darüber lässt sich im Einzelfall diskutieren - Azubinen aufzutragen, eine Leiche in die Pathologie zu fahren und dann den Fahrstuhl anzuhalten war in meinen Augen z.B. alles andere als komisch.

Üblicherwiese jedenfalls werden Azubis gern mal losgeschickt, einen Gegenstand zu besorgen. Selbstredend, dass es diesen Gegensstand dann natürlich nicht gibt.

Gern wurde Schwesternschülerinnen aufgetragen, einen Ampullenreiniger zu besorgen. So weit, so gut. Allerdings bezeichnet "Ampulle" das letzte Stück des Enddarms. Die Ampulle liegt im Rektum und dient dazu, den fertig verarbeiteten Kot zu sammeln.

Weitere lustige Dinge, die man Azubis im Pflege/-Gesundheitsbereich holen lassen kann, hat das Humorarchiv der Wikipedia gesammlt.

Also Vorsicht liebe Pflege-Azubis, wenn Eure Anleiter Euch folgende Dinge holen schicken:

AV-Block

Der AV-Block gehört zum Reizleitungs-System, sorgt also für die Impulsgabe, die das Herz zur Kontraktion anregt.

Carotis-Stauschlauch

Die Carotis ist die Hautschlagader. Diese wird unter keinen Umständen gestaut - die Folge wäre Bewusstlosigkeit, eventuell droht sogar ein Schlaganfall

Deflorationsbesteck

Da sag ich mal "autsch" - schließlich bezeichnet die Defloration schlicht die Entjungferung

Diarrhoe-Stopfen

Bei Diarrhoe handelt es sich um Durchfall..

Flatus-Messer

Nur so viel: Flatulenz bezeichnet die im Zweifelfall übel riechenden Darmwinde..

Smegma-Waage

Smegma ist die schmierige Schicht zwischen Eichel und Vorhaut

 Tracheostoma-Blindstopfen

Ein Tracheostoma ist eine operativ angelegte Luftröhren-Öffnung. Niemand worde dies verstopfen wollen.

 

Vergelblich suchen werdet Ihr auch

den Pathologie - Aufwachraum

und den Patienten Riva-Rocci.

In der Pathologie wach hoffentlich niemand mehr auf. Da Riva-Rocci der Erfinder des Blutdruck-Gerätes war (deshalb wird in der Medizin der Blutdruck mit RR bezeichnet) und bereits 1937 gestorben ist, wird er sehr wahrscheinlich nirgendwo mehr als Patient auftauchen.

Quelle: wikipedia -> 

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Humorarchiv/Liste_der_Ausbildungsinitiationsriten

 

Dort finden sich auch weitere Berufsgruppen.

 

 

 

 

 

1 Kommentar 4.9.09 17:46, kommentieren

Zwischenbilanz

Manchmal kommt an einem Punkt in seinem Leben, an dem man sich fragt, wo der Fehler gelegen hat.

Ich vergleiche das Leben gern mit einem Weg – das ist so schön symbolisch, und ich bin ja beileibe nicht die erste, die darauf gekommen ist.

Um bei diesem Bild zu bleiben, denke ich, dass ich des öfteren mal falsch abgebogen bin. Häufig habe ich Umwege genommen, versteckte Feldwege voll von Stolperfallen. Immer wieder habe ich aber den Weg zurück gefunden, zumindest würde ich das im nachhinein so betrachten. Im Augenblick aber ist der Weg, auf dem dem ich mich gerade bewege, schon seit längerem sehr verworren. Irgendwo erschien immer wieder eine Lichtung, die so aussah, als führe sie mich auf den Hauptweg zurück.

In den letzten 2 ½ Jahren bin ich immer wieder dem Glück nachgerannt, habe mich an jeden Strohhalm geklammert, der sich irgendwo anbot. Gerade ein Jahr ist es her, dass ich der Erfüllung meines Wunsches so nahe war. Die Chance auf ein völlig neues Leben lag vor mir – hätte ich sie ergriffen, würde ich heute irgendwo in NRW sitzen, wäre verlobt und würde demnächst heiraten. Nun wird einer anderen genau das zuteil. Diese Nachricht war für einen Moment verwirrend für mich, aber Eifersucht und Neid spürte ich ganz ehrlich nicht. Ja, ich sehne mich nach einer Partnerschaft, aber das funktioniert ohne Liebe nicht. Ich sehe jetzt gerade ganz klar: weder war er die Liebe meines Lebens noch wollte ich mir vorstellen, wie der Rest meines Lebens mit einem Schlag verplant wird. Ich sah mich im Reihenhaus, mit Kind, als Gastgeberin von Kaffeekränzchen für die Generals-Gattinnen - und bekam das kalte Grausen. Nein, das bin ich nicht.

Ich arbeite so weit es geht an mir, und versuche, Kritik immer produktiv umzusetzen. Nach einem der bisher traurigsten Schicksalsschläge meines Lebens schwor ich mir also, mich nicht mehr so abhängig zu machen. Der Herr General in Spe erklärte mir daraufhin, ich habe letztlich die Trennung ja so gewollt, weil ich in die Beziehung nicht investiert habe.

Ich war so oft verzweifelt, weil ich dieses Gefühl, das wir Liebe nennen, einfach nicht mehr finden konnte. Nun gerade erst wollte es wieder beginnen, sich einzustellen. Ich war dieser alten Vertrautheit näher als je zuvor. Während ich es allerdings aufbaute und das erste mal wieder bereit war zu investieren, machte das Schicksal andere Pläne. Fazit: ich wurde gemocht, aber nicht geliebt. Klar geworden sei ihm das, als ich ihm mal per sms schreib, dass er mir fehle. Ich bin allerdings wirklich froh über die Ehrlichkeit, und dafür, dass das ganze nur 8 Wochen gedauert hat und nicht noch tiefer ging.

Was soll ich sagen: ich schwankte zwischen Lachen und Weinen, als er mir sagte, ich sei die toleranteste Freundin gewesen, die er je gehabt habe und habe ihm so viel Freiraum gelassen wie keine andere zuvor..


1 Kommentar 1.9.09 18:02, kommentieren